Das erste Mal in der Hängematte

Bisher bin ich ein Tipi-, Zelt-, Auto-, WoWa-Übernachter. So nur unter einem Tarp oder mit dem Sternenhimmel als Dach habe ich ewig nicht übernachtet. Nun sollte es mal in die letzte unentdeckte Richtung gehen. Zum Geburtstag bekam ich eine Hängematte geschenkt und diese musste getestet werden.

Vor-/Nachteile

Die Vorteile sind interessant: Man spart mächtig Gewicht und der Untergrund kann einem völlig egal sein – Matsch, Unebenheiten, Steine, Stöcke spielen alles keine Rolle. Zudem kann man bequem liegen und hat auch gleich noch einen Sitz dabei.

Noch ein Vorteil, der mich zwar jetzt nicht betraf, bestimmt aber noch aussteht, ist der Aufbau im Regen. Dabei würde ich erst das Tarp einhängen und hätte danach alle Zeit der Welt, im Trockenen den Rest aufzubauen. Beim Zelten von unten der Matsch und von oben das kühle Nass muss nicht unbedingt sein. Dann schleppt man noch die nassen Klamotten ins Zelt und womöglich geht die Feuchtigkeit garnicht mehr raus. Anders beim Hängen – nasses kann man unter dem Tarp auf der Ridgeline aufhängen und alles ist stetig gut gelüftet.

Allerdings gibt es, wie ich finde, zwei Nachteile: Man muss erstmal zwei Aufhängemöglichkeiten im richtigen Abstand finden und man kann nicht alles Gelump, was man so dabei hat, einfach geschützt ins Zelt schmeißen. Beim Hängen steht dann da schonmal ganz offen ein Rucksack mit etlichen Innereien für einige hundert Euro – praktischerweise direkt zum Aufsetzen und mitnehmen. Etwas Vertrauen sollte man also schonmal mitbringen.

Rüstzeug

Bevor es an die erste Nacht ging, musste ich erstmal aufrüsten. Das mit der Hängematte gelieferte Tarp passt wunderbar und passgenau zur Hängematte. Für meine Begriffe ist es aber viel zu klein, weil es keine Fläche bietet, etwas unterzustellen. Also besorgte ich mir das Wing Tarp von Amazonas, welches ich auch prima für mein Mini-Tipi (Sil Hexpeak F6a) oder einfach so auf Wanderungen und Fahrradtouren nutzen kann.

Das Zweite, was ich mir noch besorgen musste – leider ohne Mehrfachnutzen, war die Isolierung. Die Hennessy-Hammock hat keinen Zwischenboden, in den man eine Iso-Matte einlegen könnte. Also besorgte ich mir deren SuperShelter 4 Seasons Underquilt – nicht ganz billig, aber was muss das muss.

Schönstes Herbstwetter und die Wettervorhersage sagte nachts so knapp über dem Gefrierpunkt voraus. Da sollte mein Cumulus LiteLine mit 2 Grad Wohlfühltemperatur ausreichen. Also blieb der BW-Fernspäher-Schlafsack zu Hause. Wenn Gewicht keine Rolle spielt, ist dieses fünf Kilogramm schwere, aus zwei Dauenschlafsäcken bestehende, Monster mein Liebling – einfach bequem und warm bis in etliche Minusgrade. Dazu noch zu einem sehr erschwinglichen Preis. Der Cumulus wiegt hingegen nur etwa 700 Gramm und passt in jeden Rucksack.

Aufbau

Der Aufbau des Lagers ist super simpel und geht innerhalb von Minuten. Fast noch schneller als bei meinem Mini-Tipi, bei dem man nur sechs Bodenhaken setzen und die Mittelstange aufstellen muss. Auf jeden Fall schneller und einfacher als solche Gestänge-stecken-und-einfädeln-und-massig-Heringe-reintüddeln-und-alles-abspannen-Zelte.

  1. Schlaufen um den Baum
    Füße etwas Höher, damit man nicht nach unten rutscht.
  2. Hängematte einhängen und spannen
    Die Befestigungs-Schnüre sollten dabei in etwa eine Neigung von 30 Grad haben.
    Eine waagerechte, ausgestreckte Hand mit nach oben zeigenden Daumen hat von Daumenspitze zu Zeigefingerspitze etwa einen Winkel von 30 Grad.
    Das ist sicher von Matte zu Matte verschieden, aber wenn man mit vollem Gewicht in der Matte hängt, sollte man die Ridgeline mit der Hand noch einiges knicken können. Diese sollte also nicht bis ins Unermessliche gespannt sein.
  3. Schlafsack rein, öffnen und entfalten lassen
  4. Tarp einhängen und abspannen
    Das Tolle am Amazonas Tarp ist, dass die Schnüre bereits an der Plane befestigt sind und diese an der Innenseite in einer kleinen Tasche verstaut werden. Man braucht wirklich nur an zwei Ende einhängen, Schnüre rausholen und in den Boden stecken.
  5. fertig – alles bereit zum gemütlichen Abhängen

Fazit

So, wie war die erste Nacht? Man liegt bzw. hängt echt gut. Das auch noch Dank dem diagonalen Schnitt der Hängematte relativ gerade. Es ist nach Stunden echt noch gemütlich. Kein krummes Rumhängen oder Druckstellen. Ganz anders als auf der dünnen ISO-Matte im Zelt, bei der man nahezu jeden Untergrund spürt und flach aufliegt. Die Hängematte passt sich den schwereren Körperpartien an – perfekte Passform sozusagen.

Einziges Manko ist die Isolierung von Hennessy. Diese ist ausreichend von Beine bis Oberkörper. Unten an den Füßen ist sie zu knapp bemessen. Die Matte ist mit 183cm angegeben – gut, ich bin 185cm lang. Die zwei Zentimeterchen machen den Braten aber auch nicht fett. Höher ans Kopfende rutschen war auch nicht drin – da unten fehlt definitiv ein Stück Isolierung. Vielleicht wäre das auch nicht zu einem Kälteproblem geworden, wenn ich ein zweites Paar Socken dabeigehabt hätte. Eigentlich war ich auch mit dem Schlafsack falsch gerüstet. Anstatt der angedachten Plus-Grade wurde es doch vier Grad unter Null – theoretisch sechs zu wenig, um sich wohlzufühlen. Ob es nun zwei oder acht Grad sind, finde ich ziemlich egal. Frost oder nicht Frost macht aber schon einen guten Unterschied.
Naja, so ganz kann ich das nicht stehen lassen. Der Schlafsack ist schon Spitze. An den Stellen, wo er nur Luft berührte und auch dort, wo die Isolierung vom Underquilt vorhanden war, reichte die Wärmeleistung aus. Nur bei den Füßen, wo der Schlafsack direkt am Hängematten-Stoff ohne Isolierung auflag, wurde es kalt. Nächstes Mal im Winter dann vielleicht doch die oben genannte dicke Penntüte oder ein paar Extra-Klamotten mitnehmen.

Achso. Wenn man mal raus muss weil man mal muss, geht das schneller als im Zelt. Im Gegensatz zu den meisten Hängematten betritt man die Hennessy durch einen Schlitz im Fußbereich. Also einfach raus aus dem Schlafsack, Gewicht auf die Füße und dabei den Schlitz öffnen. Schon steht man in seinen Stiefeln.
Im Dunkeln wieder in den Schlafsack kommen, ist in dieser Hängematte allerdings nicht ganz so leicht. Aber da ist der Druck ja bereits entwichen und man hat Zeit. Dadurch, dass man von drei Seiten direkt von Hängematte umgeben ist, fehlt ein wenig die Freiheit, die man im Zelt hat.

Es gibt noch ein wenig Optimierungsbedarf. Im Grunde bin ich aber begeistert. Ich hoffe bei der nächsten Tour Tipi und ISO-Matte mal zu Hause zu lassen und ein wenig rumzuhängen…

Hier noch ein paar Bilder – ist ja schließlich ein Bilder-Blog :-)

Frostig schöner Sonnenaufgang
Es gibt sogar ein Drinnen mit etwas Privatsphäre.
Ein Leben am Abgrund
Einfach mal ein bischen rumhängen und die Seele baumeln lassen.
Die offene Variante. Möglichst viel Sonne einfangen, um den Frost loszuwerden.
Rund um HerzhausenHeldrastein